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Teil 2: Radikaler Konstruktivismus und
Schauspiel



Man sagt, die Schauspielschule ist ein Ort, wo erforscht wird, was der Mensch ist und was er darüber hinaus noch alles sein könnte. An Schauspielschulen wird Wissen vermittelt, dessen Basis-Kenntnis über den Menschen und menschliche Kommunikation eigentlich Grundschulwissen sein sollte. Nicht nur für die Theaterbühne, sondern auch für die Lebensbühne. Vieles ist auf beiden Bühnen identisch und nutzbar.
Der Unterricht ist darauf ausgerichtet, dass der Schüler mehr und mehr zu sich, zu seinen Gefühlen, inneren Impulsen und Ideen kommt, zu einer Art selbstbestimmter und autonomer Identität. (1)  (2)
Es soll die eigene Phantasie, eigene Talente und der kreative Spieltrieb belebt werden. Mit den anderen Regeln, die bei der schauspielerischen Arbeit gegeben sind, ist dies einfach und besonders lustvoll erreichbar. Ein fliesender Übergang zur Kunst hin ist hier möglich.

Ziel ist die emotionale Durchlässigkeit und Flexibilität des Körpers. Dies wird erreicht durch den Abbau der Panzerungen, die durch Erziehung und Gesellschaft entstanden sind. Der Schauspielunterricht soll einen Menschen in die richtige "Gestimmtheit" bringen, man kann dies mit einem Musikinstrument vergleichen. Zum Beispiel mit einer Gitarre lassen sich nur dann alle Musikstücke spielen, wenn die Saiten der Gitarre im richtigen Verhältnis zueinander gestimmt sind. So verhält es sich auch bei Habitus, Tonus, Präsenz, Stimme, Rhetorik, Haltung, Gestik... des Menschen. All das ist bei jedem von uns durch die eigene Historie entstanden und sollte einmal im Leben bewusst geprüft und nötigenfalls nachgestimmt werden.

Die vielfältigen Möglichkeiten, die ein jeder Mensch hat und die oft nicht genutzt werden, sollen durch die Gruppenarbeit verfügbar gemacht werden. Als Kind haben wir fast alle schon erlebt, wie intensiv gespielt werden kann, und wie tiefgehend durch kollektive Phantasie während des Spiels Realität entstehen kann. Diese Fähigkeiten werden durch unsere Gesellschaft ab dem Erwachsenenalter normalerweise eingefroren. Unsere Phantasie und Spielfreude stirbt aber nicht, sie schläft nur und kann gemeinsam wiederentdeckt werden.

Die mächtigste Kraft, deren Beherrschung der Schauspieler lernt, ist der Glaube an die Realität des eigenen Spiels. Der Schauspieler lernt tatsächlich den eigenen Glauben selbst beeinflussen und bestimmen zu können. Diese Fähigkeit ist der zentrale Punkt jeder ernsthaften Schauspielkunst. Dies funktioniert über die willentliche Lenkung der Imaginations- und Projektionsfähigkeit des menschlichen Gehirns und die bewusste Steuerung der eigenen Aufmerksamkeit. Dies kann durch Training optimiert werden. Durch Schauspielunterricht wird man sich der Macht seiner eigenen Projektionsfähigkeit tatsächlich bewusst. Wichtig hierbei ist noch die innere Bewertung ob etwas wahr ist. Der Schauspieler bewertet etwas willentlich als Wahrheit. Viele würden kaum glauben wie weit die Projektionsfähigkeit geht, und wie sehr sich die eigenen Gefühle von Projektionen und den dazu passenden Handlungen beeinflussen lassen. Phantasie wird so zur Realität. Das funktioniert nicht nur bei Kindern. Durch den Glauben, der sich durch die Rückkopplung in der Gruppe nochmals verstärkt, werden Erlebnisse, Rollen und Szenen während des Spiels als real wahrgenommen. Ganz besonders verstärkt sich die Realitätswahrnehmung des Schauspielers, wenn er kein festgeschriebenes Theaterstück spielt, sondern wenn er ein vorgegebenes Anfangsszenario frei improvisierend (1) weiterspielt. Vielen Leuten ist gar nicht bekannt, dass Schauspieler dies in ihrer Ausbildung oft tun, viele Leute denken dass Schauspieler nur festgeschriebene Rollen und Stücke spielen.

Der geübte Schauspieler denkt wie die Rolle, er fühlt wie die Rolle, er verhält sich wie die Rolle, und er bekommt von den Mitspielern die Resonanz zu dieser Rolle. (Gilt das nicht genauso für unser Ego in der Realität?) Wenn hier durch das Element der Improvisation das feste Script und Drehbuch überwunden wird, dann gibt es nur noch eines was sein Tun von der Realität trennt, das ist unsere gemeinsame Definition und Regel, die da behauptet: "Das auf der Theaterbühne ist nur Spiel und das jenseits der Theaterbühne ist real". Doch diese Abmachung ist willkürlich und z. B. tausende reale Hochzeiten von Schauspielern, die anfangs nur eine gespielte Liebesszene auf der Bühne inszenierten, (und plötzlich wurde der gespielte "Spirit" real) sind ein Beweiß von vielen, für das oftmalige Überschreiten dieser Abmachung. 

Es gibt vor allem bei Jugendlichen ein sehr großes Interesse an Schauspiel, weil es kaum etwas gibt was mehr Spaß macht im menschlichem Leben, wenn man es aktiv betreibt. Deshalb ist es eine Schande, dass nur ca. ein Prozent der Leute, die sich an Schauspielschulen bewerben aufgenommen werden. Schauspielschulen und Schauspielgruppen gehören in jedes Dorf und in jeden Häuserblock unserer anonymen Städte! Schauspiel und die spielerischen Erfahrungen die für jeden machbar sind, könnte ein Kitt sein, der die Gesellschaft aus der Spaltung mit der Macht des Spiels zurück holt und wieder zusammenführt. Sehr wichtig dabei ist die Entspannungstechnik, die Macht der Phantasie und vor allem die Erfahrungen in anderen Rollen und aus anderen Perspektiven.  Schauspiel fördert Humor, untergräbt den tierischen Ernst und hat Konfliktlösungspotential. Schauspiel sollte heraus aus der elitären Ecke und es sollte keine Altersbegrenzung geben.

Es besteht die Möglichkeit mit ähnlichen Techniken, mit denen im Theater eine Rolle entsteht, eigene Wunschrollen für das Leben zu realisieren und zu verankern, indem zugehörige Schlüsselerlebnisse gemeinsam szenisch inszeniert und erlebt werden. Schlüsselerlebnisse sind unvergesslich und äußerst wichtig, sowohl für den Schauspieler der eine Rolle erarbeitet, als auch für den gewöhnlichen Menschen, der z. B. eine neue Richtung einschlagen will. Schlüsselerlebnisse sind wie geöffnete Tore zu neuen Wegen und haben auch in der Realität oft unser Leben geprägt.

Das freie Schauspiel ist übrigens nur Leuten möglich für deren Grundbedürfnisse gesorgt ist. Wer ums tägliche Brot "mit dem Messer" kämpfen muss, für den versperrt dieser Ernst der Lage den Zugang zum Spiel. ("Eine Pflanze kann nur dann eine Blüte ausbilden, wenn die Grundversorgung gesichert ist.")

Auf der Improvisations-Bühne des Schauspielunterricht herrschen andere Regeln als im normalen Leben.
Grundregel Nr. 1
lautet: "Es darf niemandem real körperlich etwas böses geschehen".

Anders als bei den Regeln im „normalen“ Leben ist es hier leicht und selbstverständlich sich daran wirklich zu halten, da innere Impulse und alle Gefühle, anders als im „normalen“ Leben, hier ausgelebt und als Kunst betrachtet werden und nicht verboten, ausgegrenzt und bestraft werden müssen. Wenn alle Emotionen ausgelebt werden können, dann kann sich nichts aufstauen wie das in der Realität geschieht, deshalb ist Lüge unnötig im Rahmen der Bühne . Zum Beispiel unterscheidet sich eine eskalierende Streitszene in solch einer Improvisation, wenn sie gut und stimmig verkörpert wird, nur in einem einzigen Punkt von der Realität. Der Schlag mit der Faust stoppt vor dem Körper des Gegners bzw. in der Pistole knallt eine Platzpatrone und keine echte Kugel. Ein kleiner und doch gigantischer Unterschied. Die Wut mit der die Waffe geführt wird ist identisch zu der Wut mit der solch eine Szene in der Realität passiert. Der geübte Schauspieler steigt erst eine halbe Sekunde vor dem Zustechen aus dem Spirit der Rolle aus und erinnert sich erst in diesem Moment an die Grundregel Nr.1.  Dieser Moment des "Realitätswechsels" zwischen dem Ernst des Spiels und den Grenzen des Spiels, wird so eingeübt, dass er zum Reflex wird und verlässlich ist.

Im Schauspiel herrschen die Menschen über die Rollen - In der Realität herrschen die Rollen über die Menschen

Schauspieler sind manchmal nach einer gut gelungenen Improvisation überwältigt von dem Spielerlebnis, das sich ernst, wahr und gewaltig angefühlt hat und auch von der "Magie", dass unsere Toten hier wieder aufstehen. Es ist ein seltsames Gefühl nach so einer Aufführung zu ahnen, dass anderswo auf der Welt diese Rolle, dieser eben erlebte Spirit wirklich ernst und bis zuletzt ausgelebt wird und dort tatsächlich z. B. zum realen Tod eines Menschen führt.

Welch ein Unterschied der Regeln. Auf der einen Seite die Regel des Spiels auf einer kleinen "ästhetischen Insel", die man Bühne nennt. Auf der anderen Seite und auf dem gleichen Planeten stehen immer noch sozusagen Neandertaler, die ins Fleisch eines Mitmenschen stechen, weil die Regeln der Normalwelt trotz Polizei und alledem nicht das Potential dazu haben dies wirklich zu verhindern.

Man kann nicht hinter jeden Menschen einen Polizisten stellen, und hinter jeden Polizisten einen zweiten Polizisten, aber man könnte die gemeinsamen Spielregeln in Richtung Schauspiel ändern, damit dies unnötig wird. Nur in der Form des Spiels kann der Mensch die Konflikte, mit denen er leben muss ohne Schaden ausleben. (1)

Schauspiel als eine spezielle Form des menschlichen Lebens, gebiert einen der spielt (Spielrolle/Alter Ego/Avatar), und einen der das Gespielte beobachtet und stoppen oder lenken kann ("Regieinstanz"/das Wissen, dass die momentane Aktivität ein Spiel ist/das Bewusstsein der Eingriffsmöglichkeit), beides gleichzeitig in einer Person, was die Möglichkeiten der Realitätsgestaltung erweitert und den fürs Spiel nötigen Schutz bietet. Diese "Regieinstanz" ist während eines improvisierten Schauspiels sowohl dem Spieler als auch dem Zuschauer bewusst und setzt die Spielrealität in einen Rahmen, der sie  kontrolliert aber gleichzeitig befreit. Im (qualitativ gutem) Schauspielunterricht, bei den sogenannten "Improvisationsübungen nach Stanislawski", (1) gibt es heute (anders als in der „Realität“) die erlebbare und funktionierende Instanz der „Kollektiven Regie“.  (Augusto Boal: "Theater definiert sich als die gleichzeitige Existenz - im gleichen Raum und Kontext - von Schauspielern und Zuschauern. Jeder Mensch ist dazu fähig, die Situation und sich selbst in der Situation wahr zu nehmen.") Das Wichtige ist, dass der Beobachter nicht passiv bleibt, sondern eingreifen, ja steuern kann. Hier besteht ein Zusammenhang mit manchen Aussagen aus dem Zen-Buddhismus und mit dem Phänomen des Klartraums, in dem sich der Träumende bewusst ist, dass er gerade träumt. Dadurch wird ein Traum frei und konstruierbar. Hierzu ein Beispiel einer kollektiven Befreiungsübung aus Keith Johnstones Buch "Theaterspiele": Die "Gruppen-Ja" Übung

Keith_Johnstone - der Begründer des Improvisationstheaters schreibt: "Viele Lehrer halten Kinder für unreife Erwachsene. Hielten wir die Erwachsenen für verkümmerte Kinder, würde das zu einem besseren Unterricht führen. So viele "gut angepasste" Erwachsene sind verbittert, unschöpferisch, voller Ängste, ohne Phantasie und ziemlich feindselig. Statt anzunehmen, sie seien so geboren oder das sei eben die Bürde des Erwachsenenseins, können wir sie als Menschen ansehen, die durch ihre Erziehung kaputtgemacht wurden."

Der Einzug des Wortes „Regie“ in die Kunstform des Theaters ist eine Neuheit des 20. Jahrhunderts. Regie - verstanden als künstlerisches Zentrum einer Inszenierung, das heute normale Regietheater und der Begriff des Regisseurs sind kaum älter als das Kino.

Die Schauspielkunst des letzten Jahrhunderts hat uns z.B. durch das Strasberg- und das Stanislawski- System die Fähigkeit gebracht, dass ein Schauspieler es lernt seine Vorstellungskraft (und sein Inneres) zu beherrschen! Diese Fähigkeit verdanken wir nicht nur Stanislawski, sondern der Moderne überhaupt und unserem Wissen um Psychologie, Konditionierungsprozesse, die Rolle und Gewohnheiten in unserem Leben spielen. Wir verstehen heute Dinge, die in unserem Inneren vorgehen, auch unbewusste.

Neben der modernen Gehirnforschung gibt es übrigens seit gut 10 Jahren eine Bewusstseinforschung, die zum ersten Mal interdisziplinär, umfassend und methodisch arbeitet. Prof. Thomas Metzinger hat zum Thema Gehirnforschung, mentales Selbstmodell und Bewusstseinskultur einiges faszinierend Neues beigetragen (Z. B. pdf-Buch Metzinger: Subjekt und Selbstmodell - siehe ab Seite 241). Diese Definition des von unserem Gehirn entworfenen Selbstmodells passt gut zum Thema. Durch Theater ist es möglich, von einem Selbstmodell in ein anderes zu springen, oder ein Selbstmodell wie eine Rolle zu konstruieren.

Gutes Schauspiel ist real und echt! Folgendes von dem Schauspiellehrer Michael_Shurtleff: „Zunächst möchte ich betonen, dass Schauspiel und Rollenspiel nichts mit Unaufrichtigkeit zu tun haben. Ich kann noch so oft betonen, dass Spiel und Rollenspiel echt sind. Sogar Schauspieler lassen sich oft in ihrem Glauben kaum beirren, dass es sich dabei um Täuschung, Verstellung, Unechtes, Unaufrichtiges handelt.
Wenn wir ein Spiel machen, ist das echt; wenn wir verschiedene Rollen annehmen, ist das ernst gemeintes Verhalten. Denn es ist eine Möglichkeit, in die Wirklichkeit einzugreifen, nicht sie zu vermeiden.“

Paul Watzlawick, Heinz von Foerster, Ernst von Glasersfeld beweisen in ihren Schriften, dass unsere kommunikative Wirklichkeit in hohem Maße eine Realität ist, der ein innerer Kern von Wahrheit fehlt. Damit wird der Blick frei, die Realität als „Traumspiel“, "Kollektivhypnose" oder Schauspiel zu erkennen. 

Radikal betrachtet führt die konstruktivistische Erkenntnis, dass soziale Realität relativ ist, zu einem Umkehrschluss bezüglich Schauspiel und Realität:

Wenn Realität nun offensichtlich Schauspiel ist, dann ist Schauspiel Realität! Entweder beides ist nicht echt oder beides ist echt!

Selbst die wenigsten Schauspieler wissen das, weil sie nichts vom Radikalen Konstruktivismus ahnen und den Punkt ihres anerzogenen Ich’s (dessen Rollenaufbau nicht bewusst registriert wurde) nur zeitweise aufgeben und so nur mit Vorbehalt auf die Spiel-Rolle verlegen.

Analog zu Einsteins lange bekannter Erkenntnis der Relativität in der Physik, wird hier nun auch die Relativität unserer psychischen und sozialen Welt erkennbar.

Wir könnten also genau so gut ein völlig anderes, dem bisherigen gar widersprüchliches Welt- und Selbstbild kreativ konstruieren – das dann in sich genau so logisch, echt und real ist.
Wir können damit heute experimentelle und alternative Wirklichkeitsmodelle praktisch erproben, testen und diese dann vergleichen, um das Passendste und Positivste zu veröffentlichen und zur Wahl zu stellen. Die vergangenheitsgeprägte Konditionierung unserer Geschichte ist so betrachtet nicht mehr bindend!

Die beste Art der Kommunikation ist das Spiel und die beste Art des Spiels für den Menschen ist das Schauspiel. Der Sinn des Lebens ist das Spiel, weil das Weltall selbst ein gigantisches Spiel ist.

Das Weltbild und Sozialmodell unserer Ellenbogengesellschaft, das seit dem Fall des Eisernen Vorhangs seine Vorbildfunktion zunehmend einbüßt und zu ungezügelter Egozentrik tendiert, bedarf gerade heute einer Reformation und einer praktischen, wissenschaftlichen Forschung nach neuen sozialen Lösungen.
Das Problem ist nicht die Globalisierung der Welt, sondern dass es dazu keine wirklich humanen Spielregeln gibt. Diese fehlenden Spielregeln müssen von Grund auf konstruiert, erforscht und etabliert werden. Mit den theoretischen Erkenntnissen des Radikalen Konstruktivismus und der diesbezüglich verstandenen Praxis der Theaterpädagogik haben wir dazu erstmals eine grundsätzliche Möglichkeit für ein alternatives System in Händen.

Die Spielfilme "Die Welle" und „Das Experiment“

Viele kennen den Kinofilm "Die Welle" (D2008 mit Jürgen Vogel) basierend auf dem US Sozialexperiment von 1967 "The Third Wave" und manche kennen den Film  „Das_Experiment“ (D 2001 von Oliver Hirschbiegel) der sich auf eine wahre konstruktivistische Studie der amerikanischen Stanford Universität von 1971 bezieht. Das "Stanford_Prison_Experiment" - ein Gefängnisszenario mit zufällig als Wärter und Häftling ausgewählten Teilnehmern. Beide Experimente, die einige Tage dauerten, zeigen auf erstaunliche Weise das Abgleiten von Spiel zu Realität. Beide Experimente hatten ein Szenario, das immer realer wurde je länger es gespielt und improvisiert wurde. Bei den realen Experimenten gab es übrigens im Gegensatz zu den Spielfilmen keine Toten oder Verletzten.

Diese Filme und Experimente zeigen: Mauern zwischen kollektiver Fiktion und der Realität sind imaginär, deshalb hat es diesbezügliche Grenzüberschreitungen schon immer gegeben, weil die Realität eine kollektive Fiktion ist.

Beide Experimente wählten eine negative Ausgangssituation, bzw. ein negatives Szenario. Ein ähnliches Projekt mit umgekehrtem, also denkbarst positivem Szenario und Startvorgabe wurde nie initiiert und erforscht! Wir geben lieber ca. 3 Milliarden € täglich weltweit für Rüstung aus, als einen Bruchteil davon für praktische Friedensforschung und Lösungskonzepte unseres globalen Angst/Gewalt Problems. Das Stanford Experiment wurde sozusagen vom eigenen erstaunlichen Erfolg erschlagen, denn seitdem hat sich keiner mehr an ein solches Experiment gewagt. Dabei wäre es nicht sehr schwer hier einen Rahmen der Sicherheit einzusetzen. Im RealTheater Projekt sind diese Sicherungen durch diesen Rahmen und durch die Grundregeln, die zudem eingeübt werden, vorhanden. Wenn jemand heute sagt, er möchte ein Forschungsprojekt mit dem Titel: "Was ist das Paradies in der Moderne" erschaffen, in dem Leute , eine "Paradies-Simulation" erstellen, dann wird er bisher kaum ernst genommen, wenn man aber Geld für den nächsten Krieg fordert, weil man sozusagen eine "Hölle-Simulation" REAL organisieren will, dann fließen Milliarden. Dies ist lachhaft!

Wenn man konstruierte Szenarien über längere Zeit (Tage/Wochen/Monate) lebt, dann werden sie echt! Darin liegt eine neue Kraft zur Veränderung bisheriger gesellschaftlicher Realität.

Nicht nur der genetische Code, sondern auch der "Code" unserer (sozialen) Realität liegt heute erkennbar und damit veränderbar vor uns. Dadurch lässt sich Realität (Selbstbild u. Weltbild) unter bestimmten Umständen und Spielregeln ähnlich wie ein (fortlaufendes) Theaterstück inszenieren. Diese faszinierende Möglichkeit der sozialen Grundlagenforschung sollte endlich in der wissenschaftlichen Praxis geprüft werden. Dazu soll das Pilotprojekt RealTheater dienen.

Es sind heute (außer Geld, Lobby und Wille), bereits alle nötigen Teile vorhanden, diese nichtkausalen Szenarien und Realitäten zu erschaffen. Wir müssen nur die bekannten Teile zusammenfügen. Die Zeit ist reif um mit praktischen „RealTheater“-Projekten zu beginnen, um denkbare, auch gewagte, bisher unerforschte Positiv- bzw. Best-Case-Szenarien den Quantensprung von Experiment und Spiel, zur Realität und Wirklichkeit zu ermöglichen.

Es wäre töricht, wenn sich die Menschheit nur auf ein einzelnes System verlassen würde. Vielfalt siegt - das gilt in der Natur und in der Technik genauso, wie im sozialen Bereich.

Die Welt-Geschichte ist wie eine Kette. Diese Kette soll lachend zerbröseln. Denn die Lage ist bezüglich des Gewaltproblems unserer Spezies fast hoffnungslos – aber! sie ist nicht ernst! Der Ernst ist die Achillessehne dieser Klette! Wir bieten Lachyoga und vor allem das Lachen generell an, um die Starre des Ernstes (und der Kausalität) unserer oft absurden Welt zu durchbrechen. Lachyoga wurde als eine erstaunlich wirksame Methode von uns in die Entspannungstechniken des Schauspielunterrichts integriert.

Diese Webseite will die Möglichkeit des Internets nutzen, abweichende Meinungen die dem Meinungsmonopol des Mainstream und der Medien entgegenstehen zu publizieren. Es geht darum, hier zu einem Dialog aufrufen bzw. einen Appell zur Mitarbeit zu starten, um diesbezügliche Projekte zu konkretisieren und zu verwirklichen.
Es geht nicht wie üblich darum Recht zu behalten mit der Absicht eine einzige Wahrheit durch Ignoranz der Widerrede durchzusetzen. Wahrheiten sind relativ und sollten generell zur Disposition stehen und sich dem wissenschaftlichen Konkurrenzkampf stellen (z.B. auch dem Placebotest, wir benötigen einen "Realitätsstempel" einer unabhängigen Instanz: "Ich möchte bitte diese Realität beantragen und amtlich bestätigt bekommen" ;-). Damit die beste, überprüfbarste und übler Nebenwirkung freieste Wahrheit und Realität gewählt werden kann.
Dazu ist es generell nötig auch andere und neue Wahrheiten praktisch und mit der Chance der Überprüfung real aufzubauen, anstatt dies wie bisher, durch Realitätsmonopole und Wahrheitsmonopole zu unterdrücken. Wir brauchen eine Realisierung des Virtuellen. Eine Art und Weise, die tatsächlich die gute Seite im Menschen schürt. Eine Wahl hat man erst wenn es eine Alternative zum wählen gibt.
Dieses Projekt würde gerne die Kreativität des Lesers zur Perfektionierung nutzen (vergleichbar dem „Linux-System“).

Allzu einfach ist es nicht solch ein Projekt im Rahmen einer "konkreten Utopie" zu starten, sonst gäbe es das bereits, weil das Festhalten an Trägheit und Tradition des konservativen Denkens dem entgegen steht. Die Aufgabe ist außerdem komplex und benötigt die Verknüpfung bislang getrennter Wissensgebiete.
Schon dem normalen Schauspieler in wenigen Worten den Konstruktivismus nahe zu bringen, ist wohl ähnlich schwierig wie dem normalen Philosophen und Konstruktivisten auf schnelle Art die Kunst und Tiefe des Schauspiels verständlich zu machen. Beides ist nötig!

Es gibt Erfahrungen, die man als normaler Erwachsener, angeleitet durch einen guten Regisseur oder Schauspiellehrer selbst erleben muss, um zu erkennen und selbst zu fühlen um was es geht. Nur die selbsterlebte Erfahrung zählt! Wir Menschen werden geprägt durch unsere Erlebnisse. Wie gesagt lernen wir zwar den Umgang mit den Naturgesetzen in der Schule, nicht aber den Umgang mit den Gesetzen unseres eigenen Körpers und der Psyche. Wir lernen bisher nicht die Grundlagen des Denkens, Fühlens und der Aufmerksamkeit und Imaginationsfähigkeit.
Übrigens gilt generell, dass praktisch alles was im Schauspielunterricht vermittelt wird, Spaß und Lebenslust bereitet, da die Lehrinhalte hier zwangsläufig auf spielerische und körperliche Art vermittelt werden - ganz im Gegensatz zu dem was sonst meist in Schule und Studium abläuft: Kopffixierung gegen das Gefühl und oft Fakten pauken statt denken lernen.

Schauspielkunst: Nur Spiel und feste Rollen? - Falsch gedacht!

Viele sagen, der Schauspieler spielt lediglich feste/geschriebene Rollen nach – sie wissen nicht, dass im Schauspielunterricht teils stundenlang absolut lebensecht und real gemeinsam improvisiert wird. Jede mögliche Ausgangslage (Rolle und Szene wird nur beim Start vorgegeben) wird von den Spielern so lebensecht gespielt, dass oft der Mund bei den Zuschauern offen steht, wie absolut echt ein Mensch jenseits seines fixen Egos leben kann. Wie wahr das ist, was entsteht.

Was wäre denn, wenn man dieses Tun mit konstruktivistischen Augen sehen würde? – wäre es dann nicht „a priori“ echt? Und was wäre, wenn man die Zeit dazu von Stunden auf Tage bzw. fortlaufend verlängern würde (und man die Bühne vergrößern würde - nicht nur Bretter und Tisch, sondern wie beim Big Brother Projekt z. B. ein ganzes Haus oder mehr, als Bühne)
Augusto Boal arbeitet übrigens bereits seit Jahren in dieser Richtung, Realität und Schauspiel zu verknüpfen. Boal hat mit seinem „Regenbogen der Wünsche“ kreative Methoden entwickelt, mit denen Lösungen zu jedem sozialen Problem im Ensemble leicht gefunden werden können.
Der Improvisations-Teil ist übrigens für viele Schauspieler der faszinierendste, weil lebensechteste der Theaterkunst – auch das soll für das Projekt RealTheater adaptiert werden.

Der Theaterpädagoge Tschechow schrieb: Die gespielten Rollen gewinnen Eigenexistenz und nehmen von innen heraus Besitz von den Spielern. So sind es nicht mehr die Spielenden, die sich der Rolle annähern, sondern die Rollengestalten kommen auf die Darstellenden zu. (Ich denke das ist beidseitig)

Schauspiel ist die Kunst mit echten Identitäten (Rollen, “Geist“, „Spirits“, Ichs) zu arbeiten und diese im eigenen Körper zum Leben zu erwecken (Zur Beherrschung ist Training nötig, das bei guter Schulung in relativ kurzer Zeit erlangt werden kann). Besonders interessant wäre es, mit solch selbstgewählten „Spirits“ die eigene Ego-Rolle (Selbstbild/Weltbild) zu überlagern oder zu untergraben, von der wir möglicherweise alle statisch besessen sind. So wäre es möglich das Ego-Ich wie einen Mantel nach Wunsch zu wechseln. Wenn das soziale Umfeld dabei gleichzeitig mitspielt, klappt dies (wie im Theater) perfekt. Jede Rolle muss natürlich erarbeitet werden, da niemand konkret spielen kann, was man sich nicht vorstellen kann (dies dauert bei guter Anleitung und dem realen Erleben der Schlüsselerlebnisse der jeweiligen Rolle und entsprechender Resonanz mit anderen in dieser Rolle, wenige Wochen). Bei körperlich stark verspannten Menschen muss allerdings die (oft muskuläre und psychische) Verspannung erst abgebaut werden, um jede Rolle spielen zu können.

Wir sprechen hier von Rollen, die nicht festgeschrieben sind wie in einem normalen Theaterstück, sondern von Rollen, deren Anfangscharakter zwar vorher konstruiert wird, die aus dieser Ausgangslage dann frei improvisierend lebendig weiterspielen (lebendig werden).

Die Russischen Akademie für Theaterkunst in Moskau vertritt aktuell die Lehrmeinung, dass das "Ich" des Schauspielers eine Art spielerisches Kind sei, ein "künstlerisches Ich", welches sich unabhängig vom "privaten Ich" des Schauspielers in die verschiedenen Umstände hineinversetzt. (1) Wäre ein spielerisches und künstlerisches Ich nicht generell besser als das heute übliche egozentrische und gewalttätige Ich?

Die Welt ist Welttheater!
Mit der Regel Nr. 1: Das ist ernst und kein Theater

Es geht in dieser Denkweise nicht mehr nur um das wie bisher natürlich und historisch gewachsene (Ego) Ich, sondern um ein konstruktivistisches und künstlerisches Ich, das ein kreatives und veränderbares Produkt derjenigen ist, die dieses Ich und dessen Umfeld selbst konstruieren - Wir sind das! Auch James Cameron und sein Film: "Avatar" hat diese Möglichkeit beschrieben in einen "Spielkörper" einzusteigen.  Diese neue Art Freiheit, die wir durch unser heutiges vorhandenes Wissen ermöglichen (Radikaler Konstruktivismus, Gehirnforschung, Theaterpädagogik etc.), würde dem Aufwachen aus einem Traumspiel entsprechen, oder dem "Ausstieg der linearen Rollen aus einem festgeschriebenem Film". Ähnlich wie in der Schlüsselszene des Films "The-Purple-Rose-of-Cairo". Ein solches Vorgehen in der Realität sollte jedoch nur eingebettet in einen wissenschaftlichen Rahmen erfolgen, der vorher gut vorbereitet wird!
Die Konsequenz daraus führt zu folgendem Experiment:

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Autor: Hans Mack  alias  Neo von Terra  2010  -  Bild oben : Neo von Terra - Titel: "Extase und Koma"