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Theater als Modell für eine zukünftige Gesellschaft - Theatre as a model of a future society

Die neue Strategie für eine praktische Friedensforschung.

Man könnte unser bisheriges Verhalten in Bezug auf Rollen vergleichen mit einem Handwerker, der unfähig ist das Werkzeug, dass er in der Hand hält abzulegen, um ein neues und anderes Werkzeug in die Hand nehmen zu können. Wir kleben sozusagen an den Rollen, Verhaltensweisen, Einschränkungen und Traditionen.
Durch dieses Festhalten, das uns anerzogen wird, entsteht der eindimensionale und bisher nur schwer veränderbare Charakter der eigenen egozentrischen Rolle.
Die Kultivierung des Menschen von der kausalen und egozentrischen Rolle zum Schauspieler ist nötig, um das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten aufzugreifen. Unser ernstes Rollenverständnis hindert uns am gemeinsamen spielen und lieben.

„Theater ist eine Berufung aller Menschen, es ist die wahre Natur der Menschheit.“
Augusto Boal

Wer schon einmal gute Improtheatergruppen auf der Bühne gesehen hat, der sieht hier ein Extrem, das bereits ein wenig der üblichen ernsten Egorolle entgegengesetzt ist. Improtheaterspieler bedienen sich bei ihren Auftritten sozusagen aus allen Möglichkeiten, und bringen daraus während ihres Auftritts, wie ein Discjockey eine Zusammenstellung aus der Vielzahl der Rollen- und Szenarien-Möglichkeiten zum Leben. Beim Improtheater läuft das aber sehr flüchtig.

Im Improvisationsteil eines Schauspielunterrichts geschieht ähnliches, hier schon konkreter und länger. Beispiel: Ich bitte als Schauspiellehrer z. B. 2 Leute auf die Bühne und konstruiere eine "Was wäre wenn..." Ausgangssituation (wer sie sind, wo sie sind, um welche Handlung es geht usw.) Ich sage: "I
hr habt etwa 15 Minuten Zeit. Spielt diese Szene, so wie ihr real im Leben reagieren würdet, wenn euch so eine Situation passieren würde. Nehmt dieses Spiel jetzt absolut ernst".  (Wenn es gut läuft, greife ich danach nicht mehr mit Regie ein.)

Die Ergebnisse solch einer Improvisation sind oft völlig lebensecht. Da spielen 2 Leute, die sich vorher vielleicht kaum kannten eine Situation, so wie sie wirklich wären und wie sie reagieren würden, wenn diese Situation real wäre, sie also im normalen Leben mit dieser Situaltion konfrontiert wären.
Plötzlich behandeln Fremde sich z. B. wie die besten Freunde oder sogar wie Liebespartner.

Detailliert funktioniert das (bei einer Gruppe, die sich schon ein paar Workshop-Tage kennt) z. B. so: ich mache zuerst z. B. Lachyoga 30 Minuten zur Entspannung. Dann nach einigen sehr persönlichen Partnerübungen in der Gruppe lade ich die Atmosphäre im Raum vorher emotional weiter auf, indem ich auf DVD eine Liebes Schlüsselszene z.B. aus dem Film Casablanca zeige, ich sage "spürt dieses Gefühl" und es ist im Raum, wir kennen das alle. Dann setze ich für eine Improvisation einen Mann und eine Frau an einen Tisch auf die Bühne und sage: ihr habt einen Anruf bekommen, von einem Freund/Freundin, den/die ihr früher sehr geliebt habt, aber es ging damals durch dumme Umstände nicht und ihr habt ewig nichts gehört (fast jeder hat so eine Geschichte am laufen und erinnert sich) der Partner sagte am Telefon, dass es jetzt und heute möglich ist, weil endlich die Umstände passen und er euch noch liebt und immer an euch denkt, der andere Partner erwidert dasselbe und ihr sitzt euch jetzt in der Kneipe, wo ihr euch gleich verabredet habt, gegenüber Die Szene wird real gespielt: ihr haltet euch gerade die Hände , ihr seht euch in die Augen und schweigt zuerst eine Minute, so geht die von mir in Regie angeleitete Szene an...

Versteht ihr das? Es geht darum euere echten Erlebnisse und Gefühle in bezug auf Liebe in diesem Moment auf die Bühne zu holen. Wir sind hier oft gescheitert bzw. hängen geblieben und wollen dort nicht mehr hin um nicht verletzt zu werden, haben aber gleichzeitig Sehnsucht danach. (Insofern hat das auch etwas zu tun mit dem sogenannten "Systemischen Aufstellungen/"Familienstellen" bei dem aber meist nur Probleme der Vergangenheit und nicht Wünsche der Zukunft aufgestellt werden und dazu noch in einer aus der sicht des Schauspielers ungenügenden Szenariotechnik. Aber ich war bei meinen Teilnahmen bei solchen Aufstellungen

Die Zuschauer sind fasziniert weil echtes "Feuer" entstanden ist. Das ist nur ein kleines kurzes Beispiel. Regisseure und Schauspieler haben Mittel das Feuer der Liebe, das zumindest als Erinnerung in jedem von uns noch schlummert wieder richtig anzufachen. Wir nutzen die Erinnerung und die echten Gefühle eines Menschen, wir haben deshalb Mittel nicht nur Romeo und Julia, sondern auch das Paradies, soweit es vorstellbar ist, zu inszenieren, wenn man uns lässt und Zeit und Raum und gibt. (Es muss natürlich auch alles weitere stimmen, paradiesische Architektur, Kostüme...) Wenn beide gut spielen, dann ist die Situation so lebendig, echt und glaubhaft, als ob sie wirklich und real ist und der "Spirit" befindet sich im Raum. Spieler und Zuschauer spüren das. (Was wäre denn, wenn ich jetzt sagen würde: bleibt 2 Tage in dieser Rolle... und die Bühne in ein echtes Hotel verlegen würde? - Wir hätten die Realität fundamental verändert, ein bischen wie "Gott spielen" - das klappt - einfach so) Wir Regisseure bringen Leute, die sich hassen, dazu sich zu lieben und sich von einer völlig anderen Seite wahrzunehmen, wenn diese Leute uns gewähren lassen... Ein paar Tage Schauspielunterricht vorher und vor dem acting Lachyoga oder eine andere Entspannungsart genügt meist als Vorbedingung.
Schauspieler und Regisseure haben übrigens die Möglichkeit Rückführungen, dort wo die Liebe stecken gebieben sein mag, qualitativ viel besser und weit echter zu machen als jedes Familienstellen oder Psychodrama, hier sollte es eine interdisziplinäre Zusammenarbeit geben

Wie gesagt das ganz besondere beim Projekt RealTheater ist, dass mit Leuten gearbeitet wird, denen die wissenschaftliche Erkenntnis wie Wirklichkeit entsteht und ihre Relativität bekannt ist (siehe Radikaler Konstruktivismus) geläufig ist. Das heisst wir betrachten im Projekt das Gespielte nicht als gespieltes, wie es meist in der Theater- und Filmbranche betrachtet wird, sondern wir betrachten es während des Spiels als echt, als ernst, als absolut real. Die bisherige Betrachtungsweise dass nur die "normale" (kausale) Realität real ist, ist ein naiver Irrtum! Eine Glaubenswahrheit, die nur gilt solange man sie glaubt und ernst nimmt. Wir Schauspieler beherrschen den Glauben, das kann man in wenigen Tagen oder Wochen lernen! Die Ernstnahme erschafft den Glauben und der Ernst-Entzug/das Lachen zerstört den Glauben - ganz besonders dann wenn wir dies kollektiv anwenden. Das betrifft alles Soziale und Psychische, das Weltbild und das Selbstmodell. An diesem Punkt sitzt der Paradigmawechsel und der Perspektivwechsel:

Wir sprechen der "normalen" und üblichen Realität das Monopol auf den Ernst ab!

Wir nehmen unser Spiel, unsere Wünsche und unsere kollektive Konstruktion ernst, dann ist es ernst!
Wenn das sitzt, dann sind wir was wir tun und nicht auf was wir durch Herkunft, Geschichte, Kausalität etc. egomanisch reduziert sind. Wir können hier also tun und realisieren was wir wollen, was möglich und was denkbar ist und was daraus erarbeitet und konstruiert wird.

Das Ego-Ich (Ich bin: Name, Beruf, Status, Besitz, Hobbys, feste Meinungen, Partner, Parteizugehörigkeit, Religionsglaube, Karakterwert, Selbstwert...) wird vom Glaube, das dies Ernst ist getrennt und gemeinsam mit anderen, mit Wunschwerten ersetzt. Sicher bleibt das Wissen des Gehirns prinzipiell bestehen, es ist aber erstaunlich, wie anders die Welt wahrgenommen und erlebt wird, wenn man in einer anderen Rolle lebt. Dies zeigt, dass nicht nur eine fixierte Rolle leben kann, wie es bei unserem egozentrischen ("Betriebs-") System ist, sondern jede dem Menschen mögliche Rolle kann das, wenn sie glaubhaft konstruiert wird und ins soziale Netz eingebunden wird.

Wenn aus einem "Punkt", also einem Zentrum (Egozentrum) eine "Fläche", also die Auswahl vieler Ego-Punkte wird, dann braucht das mentale Selbstmodell, also unser Ich eine neue Definition: "Wer bin ich, wenn ich plötzlich nicht mehr bin, wovon ich überzeugt war das ich nur das und nichts anderes bin? Wir kommen hier zu etwas was, um in der Sprache der Kunst zu bleiben, man Regieinstanz nennen könnte. (Die Regieinstanz kann auch kollektiv sein.)
Vorher spielte eine Rolle sozusagen das Leben lang. Jetzt spielt jede mögliche und gewünschte Rolle, jedoch nur in einem Zeitintervall. Vorher beherrschte die Rolle die Szene bzw. den Menschen (die Rolle hatte die Macht), jetzt hat die Regieinstanz die Macht, die die Rollen aufruft. Es handelt sich hier nicht um Neues und Utopisches.

Wir übertragen nur etwas auf die Wirklichkeit, was im Theaterbereich bereits funktioniert.

Ausserdem erscheinen intensiv gespielte Improvisationen in der Erinnerung und in den Träumen, schon immer dem real erlebten gleichwertig . Schauspieler und Schauspielschüler wissen das. Unser Unterbewusstsein unterscheidet nicht, ob etwas auf der Bühne oder auf der realen Strasse stattfand. Wichtiger ist wie intensiv etwas erlebt wurde.

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Es gibt hier übrigens eine Analogie zu dem aus der Traumforschung bekannten Phänomen des Klartraums oder luziden Traums, das unter gewissen Umständen auf die Realität übertragen werden kann:
Klarträume unterscheiden sich von üblichen nächtlichen Träumen dadurch, dass der Träumer völlige Klarheit darüber besitzt, dass er träumt und um seine freie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit weiß. Dadurch kann er nach eigenem Entschluss und eigener Regie handelnd in das Traumgeschehen eingreifen. Dabei sind Verstandes- und Willensfunktionen völlig intakt.
Diese freie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit haben wir im der Realität ebenso, wenn wir diese Möglichkeit kennen und dieses Wissen im ganzen Kollektiv anwenden. Mit Schauspielmethodik können wir (sozial und psychisch sein wer wir wollen und - dies ist neu - wir können in der Rolle bleiben, wenn wir wollen. Sicher klingt das verrückt, aber Neues klingt immer verrückt. Diese Möglichkeiten warten auf ihre Erforschung.

Es gilt für die Realität: Wer kollektiv „träumt“, kann sich kollektiv des Träumvorgangs bewusst werden und durch dieses Bewusstsein kollektiv die Realität verändern und umkonstruieren! Der Schauspieler konstruiert die Rolle ähnlich wie das Leben das Ich gestaltet - Schauspieler programmieren mit simulierten realidentischen Erlebnissen und Schlüsselerlebnissen. Das ist ein ungleich wirksameres Kaliber als z.B. NLP. Das sind echte Erlebnisse mit allen Sinnen, die es gibt.

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Ist das Thema Liebe nur in der Kunst seriös? " Es ist, was es ist.“ sagte Erich Fried und Erich Fromm sprach von der Kunst des Liebens.
Wir haben noch wenig Ahnung was konkret es ist – es passiert zufällig und es ist letztlich unbekannt, wie genau Liebe entsteht (und wie man sie dann dauerhaft halten kann). Viele sagen: „So soll es bleiben, sonst wäre sie nicht echt. Wo kämen wir denn da hin, wenn man konkret wüsste wie Liebe entsteht und sie einfach so von jedem wählbar wäre, wie das Brot beim Bäcker“.
Das Brot beim Bäcker gibt’s übrigens auch erst, weil vor tausenden Jahren jemand entdeckt hat, wie man konkret Getreide real anbaut – vorher wuchs das auch nur wild.
Die Liebe wächst bis heute nur wild und es wird Zeit sie zu kultivieren.

Einen Frieden in der Liebe wird es nicht geben, solange uns unbekannt ist, wie wir kollektive, dauerhafte, unverkrampfte, auch erotische und unverlogene Liebe erreichen, die nicht flüchtig, privat oder auf 2 Leute beschränkt ist und die keine Gewalt- und Eifersuchtsreaktion hervorruft, wenn nur eine 3. Person hinzukommt.
Das Know-how, die Verhaltensweisen und Bedingungen die zur Liebe führen, müssen endlich bekannt und verstanden werden. Wenn 95 % der Leute in der Realität daran scheitern Liebe dauerhaft zu leben, sollte es gestattet sein, die bisherige Vorgehensweise als ungenügend zu bezeichnen und die Aufmerksamkeit hierhin zu lenken. Eine praktische Liebeforschung muss endlich Bestandteil der sozialen Verhaltensforschung werden.

Ein Grund warum kaum ein ernsthafter Wissenschaftler auf diesem Gebiet forscht ist der, dass er nicht riskieren will von der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, da es eine unausgesprochene, nicht ausdiskutierte, naive und fatale gesellschaftliche Übereinkunft gibt, dass diesbezügliche praktische Forschung generell als unseriös zu gelten hat.

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Vor allem immer mehr Jugendliche flüchten vor unserem „Film der Normalwelt“ in die virtuellen Welten des PC/Video und Online Spiels, (Es gibt neben den expandierenden Multi-Player Online Games wie "Second Life" oder "WOW" übrigens auch Real-Live-Rollenspielgruppen). Die Freiheit – als Avatar und Spieler (mit neuem Namen, neuer Identität...), die im Cyberspace möglich und so anziehend ist, könnten wir unter gewissen Voraussetzungen durchaus und weit besser, in die Realität übernehmen! Denn nichts ist so intensiv wie die Realität. Die Leute flüchten vor den Regeln der Realität ins PC-Game. Ich plädiere dafür die Regeln des Spiels und des Schauspiels (als Rolle Spielen zu können ohne echte Gefahr für Leib und Leben) in die Realität zu übertragen, im Projekt RealTheater. Der Nobellpreisträger Manfred Eigen nennt das Universum: "Das Spiel" - also, lasst uns spielen!

„Der Mensch ist umso mehr Schauspieler, je zivilisierter er ist“
Immanuel Kant

 

"Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt."
Friedrich Schiller

 



Das „RealTheater“ Experiment

Eine Projektidee in der „Betaversion“ (Stand 2008)

Verbesserungsvorschläge sind erwünscht - Eine perfekte Projektbeschreibung wird es hier wohl erst geben nachdem die Erfahrungen des ersten RealTheater Projektes vorliegen.

 

Es geht darum an einem hierzu passenden Ort (ein Schloss, ein Institut, eine Art Big Brother Container etc.), im überschaubaren Zeitrahmen und mit diesen anderen kollektiven sozialen Bedingungen und Spielregeln eine „Anderswelt“, eine soziale Insel, einen ästhetischen Raum, Gesellschaft im besten Sinne des Wortes, ein virtuelles Paradies zu konstruieren und alles detailliert auf Video verfügbar zu dokumentieren. Als wissenschaftliches Forschungsprojekt wäre diese interdisziplinäre Arbeit ein Novum in der Geschichte. Als künstlerisches Projekt betrachtet, steht es gleichzeitig jenseits der Tabuisierung von utopischen Zielvorgaben durch sogenannte Vernunft. (Die Kunst als letzte Bastion der Freiheit von Denkblockaden.)
Es geht um eine Mischform zwischen Realität und Theater – die bisher übliche Trennung wird aufgehoben. Ein Best-Case-Szenario, ein Real Life Theater, ein konstruktivistisches Theater, ein Wirklichkeitstheater, ein RealTheater.

Spielen ist ein Prozess voll Spaß und schafft - eingebettet in eigene Spielregeln - die Möglichkeit, Erfahrungen in einem gesicherten, geschlossenen Raum zu sammeln. Man kann sich in einer selbst kreierten "Spiel" -Welt ohne Konsequenzen für die übliche Realität verlieren. Prozesshaft fördert es u. a. die Teamfähigkeit, Kreativität und das soziale und emotionale Lernen!

1. Grundbedingungen:


Folgende Basis Grundbedingungen gelten zum Teil auch im „Bühnenraum“ des Schauspielunterrichts, (nicht jedoch im „normalen“ Leben):

A:  Sicherheit:
Keinem darf körperlich und real etwas gefährliches passieren – alle müssen sich gemeinsam darauf verlassen können (...der fundamentale Unterschied zwischen Platzpatrone und scharfer Munition). Diese Grundbedingung ist absolut bindend. Wie die Erfahrung in der Theaterarbeit zeigt, ist es normalerweise nicht schwierig oder anstrengend diese Bedingung einzuhalten. Außerdem: Die Grundbedürfnisse des Lebens aller Beteiligten müssen gesichert sein.

Im Schauspiel darf keiner sich in eine andere Rolle vertiefen, bevor er es beherrscht, die absolute Kontrolle über diese Rolle („Spirit“) zu halten und diese jederzeit zu beenden.
Dies ist wichtige Grundlagenarbeit und ist in wenigen Arbeitstagen erlernbar.

B:  Bühnenfreiheit:
Auf der (hier erweiterten) Bühne, hat man alle menschlich denkbaren Möglichkeiten der eigenen Phantasie zu reagieren und man weiß, dass alle Mitspieler den selben Bedingungen unterstehen und dies zulassen. Es geht darum, gemeinsam möglichst intensiv, glaubwürdig und gut zu spielen, d.h. hier lebt Spiellust, Experiment, Intuition, „inneres Kind“, Möglichkeit und Phantasie.
Die Mauern, Gefahren und – „energetisch“ abwürgende Begrenzungen der normalen Erwachsenen-Schablone und Matrix gelten hier nicht.
Dies ist ein Zustand höherer Freiheit, den es im normalen Leben so praktisch kaum gibt. (Detailliert beschrieben in den Büchern der Theaterpädagogen: Stanislawski, Strassberg, Tschechow, Johnstone, Boal etc.). Wenn in diesem ästhetischen Raum ohne echte Gefahr Impulse und Möglichkeiten ausgelebt werden können, entfällt die Notwendigkeit zur Lüge generell! Es entfällt der Zwang zum Verschweigen des Subtextes. Außerdem entfällt die Notwendigkeit verschiedene Perspektiven zu einer Mainstream-Meinung zu reduzieren und die Abweichung zu bestrafen, wie dies in der üblichen Realität oft geschieht. Alle subjektiven Perspektiven sollen nebeneinander existieren dürfen, wie dies in der Schauspielarbeit oft praktiziert wird. Die Art und Weise Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, nennt man Polykontexturale Logik, PKL.

C:  Der vielleicht interessanteste Punkt: Die Regieinstanz - der kollektive Regisseur:

Die Herstellung der Regieinstanz ist absolute Vorbedingung. Sie muss vorher eingeübt werden und verlässlich und erprobt! sitzen! Eine verlässliche Regieinstanz kennt man bisher nur aus einer verantwortungsvollen Theaterarbeit. Durch das einfache Wort Stop kann jeder Spieler die Situation wie ein Standbild einfrieren wenn etwas verbessert oder wiederholt werden muss, oder etwas gefährlich wird. Durch diese verlässliche "Notbremse" für das Spiel (wie schön wäre es wenn die Realität das hätte) kann unmöglich geschehen was beim Stanford Gefängnis Experiment passiert ist.

Dort gab es keine Notbremse, keine Übereinkunft, keine Theaterregeln. Es wurde lediglich die Realität simuliert und es entstand Realität. Stanford wurde vom verblüffenden Erfolg des Projektes erschlagen. Seitdem wurde es weder in den USA, noch anderswo gewagt an ähnlichen Projekten weiterzuarbeiten.   In solch einem Projekt liegt ein gewaltiges soziales Potential und es ist keinesfalls Wahnsinn damit weiterzuforschen, es ist Wahnsinn dies nicht zu tun. Wir brauchen nur Sicherheitsmechanismen um diese Energie kontrolliert zu erforschen.
Wenn es während des Prozesses Probleme gibt, wird sofort die problematische Situation wie bei einem Filmdreh solange besprochen, wiederholt und konstruktiv verbessert bis eine Lösung gefunden ist. Wir arbeiten übrigens stets mit Videoaufzeichnung.

Was ist Regieinstanz - Was ist kollektive Regie?

Jeder der sich selbst, nachdem er von einer Videokamera aufgenommen wurde, im TV Monitor gesehen hat, kennt zumindest schon einen Teil dieser Spaltung des Bewusstseins zwischen Beobachter und der beobachteten Person. (Wenn man eine konstruierte Rolle spielt, reagiert man nicht persönlich betroffen, wenn diese kritisiert wird. Die Spielsituation und die Regiefunktion ermöglicht endlich eine direkte Kritik, die nicht verletzt. Eine völlig andere Kommunikations- und "Streitkultur" ist so möglich.  Fehler müssen nicht mehr mit aus Angst vor Ehrverletzung ignoriert oder mit Gewalt bekämpft werden, sie werden einfach verbessert)

Beim gemeinsamen Schauspiel oder der Improvisation auf der Bühne des Schauspielunterrichts entsteht ein außergewöhnlicher Zustand. Man steht als Spieler auf der Bühne und ist sich der erweiterten Spielmöglichkeit bewusst. Jede Aktion bzw. Reaktion hat dadurch höherwertige Bedeutung und man fühlt und erlebt durch das Bewusstsein auf der Bühne zu stehen energetischer und intensiver Man steht im kreativen Handeln. Aufmerksamkeit energetisiert den Körper und Geist. Spielideen werden gegenseitig angenommen und nicht blockiert wie oft in der "Normalwelt". Die Freiheit nach freiem Willen handeln zu können ist hier bewusst.

Die Funktion der kollektiven Regie steht im Raum und wird erlebbar. Diese Übereinkunft zwischen allen Teilnehmern im Raum auf die anderen Grundbedingungen und Regeln bewirken eine Art von „Gottfunktion“ sozusagen ein “Realitycheat“ die das freie Geschehen in diesem „ästhetischen Raum“ ermöglichen. (Man könnte was damit möglich ist, in der Computersprache vielleicht als Offenlegung und die Arbeit mit dem sozialen Quellcode bezeichnen).

Jeder ist ein Regisseur!

Dadurch erst wird es erstmalig möglich positive Kommunikationsweisen und Verhaltensarten (auch im Bezug auf Liebeforschung) in Interaktion zwischen den Spielern aufzuschaukeln, zu potenzieren und dieses Know-how detailliert zu dokumentieren (mit Video zu fixieren), zu verstehen und letztlich zu veröffentlichen. Die Natur selbst schafft es nur äußerst selten eine Vielzahl positivster Eigenschaften in einem Menschen zu vereinen oder zwischen Menschen zur Resonanz zu bringen. Wir können das.

Dies führ dazu, dass echte Gefühle, Ideen und wahre Impulse nicht (wie im normalen Leben) unterdrückt, tabuisiert, ausgegrenzt oder bestraft werden müssen, sondern ausgelebt werden können. Alle Energien, die einem Menschen möglich sind können unter diesen Bedingungen ausgelebt werden. Der „Käfig“ ist offen - und das macht einfach einen unglaublichen Spaß!

Wer immer sich das Paradies als Anreihung nur des „Guten“ im Menschen, als andauerndes „Hosianna- Singen“ und Abwesenheit jeglichen Bösen und damit der Hälfte aller Möglichkeiten vorgestellt hat, liegt falsch – wie langweilig! Gut/Böse - kein Pol der Lebensspannung ist ohne seinen Gegensatz denkbar. Jede Münze die nur auf einer Seite geprägt ist, ist eine Fälschung) Ein Buch, Film, Theaterstück, Märchen oder eine Geschichte, in der das Böse ganz fehlt – wie öde!

Deshalb geht es eben nicht darum das Böse (Nostalgiker würden „Teufel“ sagen) im Leben zu besiegen und gewaltsam auszugrenzen, was wir mit großem Aufwand – Militär/Polizei/Justiz... seit Jahrtausenden in Sisyphus-Manier vergeblich versuchen. Es geht darum das Böse wie im Theater üblich zu integrieren, es auf ein gesellschafts- und menschenverträgliches Niveau ohne reales Blutvergießen zu transformieren (das Böse zu spielen– anstatt das das Böse mit uns spielt). Im Theater beherrschen wir diese Technik schon! Übrigens wir müssen nicht mehr passiv in die Glotze schauen, wir können selber spielen, davon träumen viele. Das Leben wird spannender, wenn man schauspielert.
Der Kampf gegen das Böse ist kein militärisches-, sondern ein Kommunikationsproblem
und im Kommunikationszeitalter heute stehen die Chancen erstmalig gut.

Das, was wir in der „Normalwelt“ als einzelnes gesellschaftliches Ego darstellen, wird ähnlich aufgebaut wie eine Rolle im Schauspiel (Name, Status, Sozialisierung, private Schlüsselerlebnisse und Verspannungen...).
Durch Erziehung und kausale Erfahrungen wird eine Ich-Identität („Selbstbild“) aufgebaut, das oftmals jedoch eben nicht selbstbestimmt ist, weil wir von Kind an bei wichtigen Weichenstellungen nicht gefragt wurden bzw. bei Entscheidungen nicht bewusst waren, oder keine andere Wahl hatten. Diese ganz normale (undemokratische) Fremdbestimmung führt dazu, dass wir oft mit einer Rolle und Maske durchs Leben gehen, zu der wir innerlich im Zwiespalt stehen, dies führt zu Krankheit, Konflikten, Gewalt usw. und verhindert ein glückliches Leben.
(Es gibt tausende Bücher und Autoren verschiedener Richtungen zu diesem Thema, die das detailliert beschreiben)

Ein besseres Mitfühlen als die Bewusstseinserweiterung die andere Rolle zu sein, indem man als Schauspieler in sie einsteigt, ist schlichtweg nicht denkbar. Gerade am Mitgefühl zum Anderen krankt unsere Gesellschaft, für die Mitgefühl nur ein Wort ist, das die Tiefe und das echte Verstehen des anderen Standpunktes nicht beinhaltet. Ein Millionär, der schon mal ein paar Tage die Rolle des Bettlers gespielt hat, wird sich keine Uhr mehr für 10 000 Euro kaufen, er hat Mitgefühl weil er erlebt und gesehen hat. Man muss ihn nicht zwingen, Schauspiel ist Bewusstseinserweiternd.

Die Freude über die Möglichkeit Identitäten anzunehmen und wieder abzulegen auf dem Weg zu intensiven Gefühlserlebnissen und Erfahrungen deklassiert unsere „Normal“- Welt als farblos, statisch und eine ganze Dimension ärmer.
Das ist machbar! Und soll im „RealTheater“- Projekt gezeigt und veröffentlicht werden.

Es geht darum die Schauspielkunst und Schauspieltechnik vom Rand ins Zentrum der Gesellschaft zu rücken, so dass sie für jeden verfügbar wird.

D:  Die Paradoxie zwischen Ernst und Spiel:
Das Spiel muss (während des Spiels) absolut ernst genommen werden – sowohl vom Einzelnen, als auch kollektiv – Das Wissen, dass dies „nur“ Spiel ist, steht während des Spiels im Hintergrund (wird von der Aufmerksamkeit völlig ignoriert - kann aber, wenn nötig jederzeit „angeknipst“ werden).
Der Gegensatz zwischen Glaube und Zweifel wird im Theater wissenschaftlich gelöst und ist Beherrschbar. Wir bestimmen hier selbst was wir glauben und Glaube lässt bekannterweise Welten entstehen.
Nicht der Glaube bestimmt hier letztlich was wir tun, sondern wir bestimmen was wir Glauben. Glaube und Ernstnahme hier als beherrschbare Energie, die Realität und Wirklichkeit entstehen lässt. Im Schauspiel ist das ganz normal. Dies führt zu Wirklichkeit a la Carte. Schauspielen mit der Ernstnahme des Spiels ist im übrigen ein Zustand, den wir fast alle aus der Kindheit kennen.

E:  Die Arbeit mit Schlüsselerlebnissen:
Persönliche Schlüsselerlebnisse sind äußerst wichtig. Jeder denke doch einmal an die wenigen Erlebnisse, die das eigene Leben in positiver oder negativer Richtung geprägt haben

Schlüsselerlebnisse wirken wie Weichen für Züge auf Schienen. Sie verändern die Richtung. Sie sind so intensiv, dass sie das Leben prägen – manch Erfolg oder Liebe entsteht genau an diesem Punkt, aber auch manch Scheitern oder gar Trauma. Man denkt oft daran, sie prägen das Leben und Selbstbild und erzwingen förmlich oft tausendfache Wiederholung in diesem „Geist“.

Wir können hier Best-Case-Szenarien konstruieren, die in positiver Richtung weit über das hinausgehen, was man normalerweise im Leben erlebt! (Beim Negativen ist das jedoch nicht möglich, da ist das „reale“ Leben besser. Fast jeder Krieg schafft es bis zum absolut denkbarst Negativen für viele Betroffene.) Die „Schwerkraft“ der Regeln in der Normalwelt verhindern bisher wirksam allzu Positives! Wer Hass sucht wird in unserer Gesellschaft in 5 Minuten fündig um eine Hassresonanz vom anderen zu bekommen. Jedem fällt sofort ein was er machen könnte wenn ihm dies als Aufgabe gestellt würde. Das Gegenteil ist weit weniger einfach zu Realisieren. In diesem Bereich geht es um die wissenschaftliche Entdeckung von „Neuland“.

3.  Zeitrahmen
Es ist noch unklar ob man mit Wochenenden (z.B. Fr. ab 19 Uhr bis So. 21 Uhr) beginnen kann,

Optimal wären ca. 4 Monate. (Später fortlaufend falls alles klappt.)

4.  Ort und Szenarienaufbau
Ein Ort mit künstlerischer Architektur und harmonischem Ambiente, in dem keine Enge entsteht, der aber gleichzeitig abgeschottet von den Bedingungen der Außenwelt ist. Da es jedoch sehr wichtig ist, dass alles exakt auf Video dokumentiert wird (bei diesem technischen Punkt kann man etwas vom „Big Brother Projekt“ lernen. Die Kameras dürfen nicht stören) muss mit hohem technischen Aufwand vorbereitet werden. Eine größere Auswahl an ästhetischen Kleidern/Kostümen und Requisiten sollte vorhanden sein.

5.  Mitwirkende
Unter optimalen Voraussetzungen benötigen wir (10 bis) 20 volljährige Akteure (männlich/weibliche Parität), Für die wissenschaftliche interdisziplinäre Zusammenarbeit benötigen wir: Regisseure/Schauspiellehrer (auch Leute die nach Augusto Boal arbeiten), Therapeuten, Systemische Therapeuten, Konstruktivisten, Psychologen, Kommunikationswissenschaftler, Soziologen, Maskenbildner?, etwa 10 Fachleute für die filmische Dokumentation, Catering Service (wie beim „Big Brother Projekt“ ist eine technische und filmische „rund um die Uhr“ Betreuung nötig).
Die Mitwirkenden sollen zumindest Grundkenntnisse im Bereich Konstruktivismus und Schauspiel haben.
Die Akteure benötigen darüber hinaus praktische Basis-Kenntnisse im Schauspiel und sollten bei der Vorarbeit körperlich und psychisch entspannt werden, bzw. dies schon sein. Alte Probleme sollten nicht vorhanden sein, oder müssen spätestens während dem Beginn der Projektarbeit gelöst werden.
Die Akteure sollten nicht durch eine feste partnerschaftliche Beziehung gebunden sein, die auf Eifersucht beruht und die den Verhaltensspielraum einschränkt.
Die Arbeitsweise sollte wissenschaftlich, kreativ, künstlerisch, ästhetisch sein.
Es besteht die Absicht aus dem Videomaterial einen Dokumentarfilm zu schneiden.

6.  Finanzielle Sicherheit der Mitwirkenden
Das heisst kein Gedanke darf während der Mitarbeit nötig sein, sich um die Existenz des eigenen Normallebens kümmern zu müssen – vergleichbar einer guten Ausgangssituation zu einem Urlaub, bzw. eines bezahlten Jobs. Darsteller und Mitwirkende sollten bezahlt werden wenn das 4 - Monate Projekt anläuft.

7.  Kosten
Man kann einiges sicher mit minimalem finanziellen Einsatz antesten und vielleicht sollte man so beginnen. (Mit ein paar Tausend Euro bereits könnte die Vorplanung und deutschlandweite Lobbyarbeit beginnen.) Bei 50 bezahlten Leuten über den Zeitraum von 4 Monaten, einschliesslich Anmietung der Räumlichkeiten, Technik etc. (mit organisatorischem Vor- und Nachlauf, mit bezahlten Fachleuten und mit professioneller Videodokumentation in der Big Brother Art) dürfte das komplette Projekt bei professioneller Ausführung, unter einer Million € wohl kaum wissenschaftlich realisierbar sein?

Darf praktische Friedens- und Sozialforschung überhaupt so viel Geld fordern?
(Nun Ja - z. B. ein einziger Leopard 2 Panzer kostet ca. 8 Millionen €. Davon hat die Deutsche Bundeswehr 1900 Stück). Die Finanzierung ist das Hauptproblem, wäre sie geklärt, dann könnte umgehend die Organisierung beginnen.

8.  Thema Sexualität.
Wer Menschen träumen lässt, nach ihren Wünschen fragt und die gewalttätigen Zügel locker lässt, der kommt an diesem Thema nicht vobei. Kann es sein, dass es Affen gibt, die sozial weiter als Menschen sind? Die Zwergschimpansenart der "Bonobos" leben eine Kultur der freien Sexualität untereinander und deshalb geht es bei ihnen, im Gegensatz zu uns Menschen oder zu den Gemeinen Schimpansen, gewaltfreier zu - das sollte uns zu denken geben.
Bei den Bonobos wird Banane und Kokosnuss geteilt, weil die kollektive Sexualität alle Gruppenmitglieder emotional verbindet und entspannt. (Make Love not War - Sex statt Ellenbogen)


Vielleicht ist der Spruch "Liebe deinen Nächsten..." schon immer körperlich gemeint gewesen? Deshalb führt er nur zu theoretischer Liebe und nicht zu realer Liebe, wenn man ihn nur platonisch und ideologisch anwendet. Die Fragestellung dieses Projekts lautet: welche Verhaltensweisen, welches Tun, welche Erlebnisse, welche Interaktionen zwischen den Menschen führen zu struktureller Liebe? Wie geht das Konkret, gibt es gewisse Muster durch die sich Liebe aufschaukeln lässt? Es dürfte am sexuellem Tabu und vielleicht am Dogma der Kirche liegen, dass dies noch nie wissenschaftlich und kreativ-künstlerisch untersucht wurde.

"Wir unterdrücken unsere Güte und unsere Zärtlichkeit"
Keith Johnstone - der Erfinder des Improvisationstheaters

Wenn wir praktische Liebeforschung machen wollen und lebensecht und frei von Mauern „spielen“ wollen, dann ist ohne Sex dieses Projekt nicht denkbar. Es geht darum, die von unserer Gesellschaft verinnerlichte Zensur, den "Polizisten im Kopf" auch in diesem Punkt abzulegen. Die ganze Freiheit, Zärtlichkeit und ein Best-Case-Szenario ist erst dann möglich, wenn die sozialen und psychischen Mauern durchlässig werden. Den Eros, z.B. auf Tantra- und liebevoll-entspannte Art, kann man dazu unmöglich ausschließen. Wenn wir die Sexualität ausgrenzen dann bräuchten wir mit einem praktischen Friedensforschungsprojekt gar nicht erst beginnen. Die Tabuisierung von Sexualität dürfte einer der Hauptgründe sein, dass unsere Kultur so gewalttätig ist. Wenn wir strukturellen, anstatt nur oberflächlichen Frieden wollen, sind wir also gezwungen die Sexualität zu integrieren, das ist schlicht logisch. Dies erfordert eine grosse Verantwortung und eine gründliche Vorbereitung, die Bedingungen hierzu müssen vorher noch genau besprochen werden.
Gerade beim Schauspielunterricht ist übrigens das meist vorhandene sexuelle Verbot für die Teilnehmer einerseits besonders hinderlich, da starke Gefühle oft gerade an die Sexualität gebunden sind und oft Verspannungen, die ein individuelles weiterkommen erschweren im sexuellen Bereich liegen.

Herz und Lust gehören zusammen. Wird der eine Teil abgelehnt oder weggelassen, kann der andere Teil sich nicht ganz entfalten. Tantra befreit den Geist. Die authentische und liebevolle Beschäftigung mit der Sexualität setzt starke Energien frei.

Was ist
kollektive Liebe, freie Liebe oder Polyamory ? Kann es einen kollektiven Orgasmus geben? Gibt es Liebe ohne Eifersucht, geht das, dass in einer Gruppe jeder jeden wirklich liebt - wie soll das gehn? Es ist klar, dass wir sehr behutsam und ästhetisch an diese Themen herangehen werden, damit sich das fundamental von einem Swinger Club und von Pornographie abgrenzt. Wenn wir jedoch eine angst- und gewaltfreie Gesellschaft wollen müssen wir auch hier Lösungen finden und erproben. Wir werden paradiesische Szenarien aufbauen und alle Künste integrieren. Wir werden vorher eine gründliche Recherche zum Thema Tantra, kollektiver Sex, Rituale, Liebeforschung, Glücksforschung und Paradies in Literatur, Architektur, Film, Musik, Theater, Wissenschaft etc. vornehmen.

Frag Dich selbst, wie stellst Du Dir die traumhafteste und paradiesischste Szene mit einer Gruppe vor, die Du Dir überhaupt vorstellen kannst. Welche Wünsche ans Glück, an die Liebe inclusive Sexulität hast Du? Welche Schlüsselszenen oder welche Rituale, welchen "Film" würdest Du hierzu gerne einmal selbst erleben? Was würden wir Wünschen, wenn wir frei wären?
Welche Leute sind dort, was haben sie an, oder haben sie (Theater-) Flügel, oder sind sie nackt, welche Gesten und Bewegungen, welche Blicke, welche Worte? wie sieht der Raum aus, welche Musik spielt, wie riecht es dort, und was machen die Leute? Was möchtest Du tun? Wie stellst Du Dir das Paradies vor?

Die traditionelle (1 Mann + 1 Frau) Familie ist als Modell für die (von anderen Leuten unberührbare) Liebe vermutlich ein Auslaufmodell. Fakt ist, dass jede zweite Ehe geschieden wird. Liebe sollte keine ausschliessliche Privatsache mehr sein. Es gab bereits Kulturen, die kollektive Beziehungsformen lebten (z.B. in der Südsee) und von unseren Missionaren mit Bibel und Gewehr überredet wurden, dies zu lassen. Kollektiver Sex, kollektive Liebe in Verbindung mit Schauspielkunst wurde noch nie vorher wissenschaftlich erforscht! Es geht hier um Grundlagenforschung und um sexuell-soziales Neuland!


Es sollte zusätzlich die Transgender Thematik bedacht werden, und damit die Frage ob es möglich und sinnvoll ist, sich von den klassischen sozialen Geschlechts-Rollenzuordnungen frei zu machen. Denn ob unsere bisherige Kultur überwiegend mit Sexualität sinnvoll, frei, natürlich und liebevoll umgeht, darf sehr stark bezweifelt werden.

Das Thema Sexualität wird für die Spieler jedoch erst aktuell, wenn die vorherigen Schritte dies erfordern. Es ist selbstverständlich, dass jeder zu jeder Zeit aussteigen kann und Mitarbeit am Gesamtprojekt auch möglich ist, ohne selbst den aktiven Schritt zur Sexualität zu wagen. Jeder Zwang würde das Projekt gefährden.

9.  Konkrete Startsituation des Projekts:
Hierzu gibt es mindestens zwei Möglichkeiten:
Möglichkeit Nr. 1 wäre es auf Selbstorganisation unter den gegebenen Regeln, auf Versuch und Irrtum und Fortschritt durch die Arbeit zu setzen. Quasi ein Stück und Szenario, dass sich kollektiv (u. organisch) selbst schreibt. Ein kreatives Labor, das positivst denkbare virtuelle Wirklichkeit entwirft. (Man lässt es unter den hier beschriebenen Bedingungen einfach laufen)
Der Vorteil wäre, dass konkrete Ideen sofort erprobt und weiterhin durch Rückkopplung mit den Akteuren sofort verbessert werden können.
Theorie, Ideen und Regieanweisungen fließen sofort in die Praxis über. (Arbeitsweisen von Augusto Boals „Forumtheater“, „Theater der Unterdrückten“, „Polizist im Kopf“, „Regenbogen der Wünsche“ ... können übernommen werden. Hier jedoch geht es nochmals einen Schritt weiter als bei Boal, um soziales Neuland und stets videodokumentierte soziale Grundlagenforschung.).

Genauso wie in der Physik für manche Grundlagenforschung die Schwerelosigkeit z. B. der International Space Station (ISS) nötig ist, benötigen wir auf sozialen Gebiet die "Schwerelosigkeit" solch eines Projektaufbaus und solcher "Laborbedingungen" um an Verhaltensweisen jenseits einer gewalttätigen Verhaltensmatrix unseres Systems heranzukommen. Um soziale Verhaltensweisen und Resonanz ohne den Einfluss der "Schwerkraft" von Kausalität und Egozentrik beobachten und verstehen zu können.

Möglichkeit Nr. 2 wäre es, für das Projekt nötige konkrete Best-Case-Szenarien, und konkrete Rollenidentitäten als experimentelle Start- und Ausgangsrollen vor dem praktischen Einstieg als Auswahl verfügbar zu haben, vorher theoretisch überlegt, konstruiert, gescriptet. (eine Art gemeinsames „PC“ Spiel für die Realität? Eine Art kollektiver Klartraum in der Realität) Ein „Theaterstück“, das sich nach dieser Script-Vorgabe dann selbst weiterspielt, (an das sich bislang noch niemand gewagt hat). Hierzu könnte es eventuell sinnvoll sein, vorher einen Ideenwettbewerb auszuschreiben bzw. eine vorherige Recherche im Web und Literatur zu starten – wie ein real machbares Paradies für 10 bis 20 Leute und einige Tage, Wochen oder Monate ganz konkret aussehen könnte. Ein breiterer geistiger Fundus als Fundament, zur Verfügung wäre hilfreich. (Ideen erwünscht!)

Ein eigenes Script hierzu ist in Arbeit. Es liegt im Sinne des Gelingens, sich eben nicht an die gewohnte Denke mit ihren Tabus zu halten, sondern die ganze künstlerische, autonome Freiheit des Denkens, Wünschens und der Phantasie auszuloten. Catch your Dreams!

Eventuell wäre es Sinnvoll zwischen Möglichkeit 1 und 2 zu wechseln und abwechselnd einerseits frei zu spielen, improvisieren und danach wieder theoretisch zu konstruieren bevor das „Spiel“ weiter geht, also gescriptete und freie improvisierte Intervalle abzuwechseln (so läuft auch das "normale"Leben). Es könnte vielleicht sinnvoll sein, wenn sich alle Beteiligten ein bis zwei Stunden am Tag zusammensetzen (sozusagen als Autoren ihres eigenen kollektiven Stücks) und eine grobe Struktur des nächsten Tages bzw. die nächsten gescripteten Ereignisse besprechen und vorkonstruieren.

Die Aufgabe könnte man ähnlich sehen, wie die Vorbereitung des Stanford Prison Experiments, allerdings ist es weit schwieriger ein Best-Case-Szenario aufzubauen als ein Worst-Case-Szenario. Denn dort brauchte man nur ein (der Gesellschaft lange bekanntes und damit verfügbares negatives) Gefängnisszenario nachstellen, das dann real wurde und damit seine eigenen Grundgesetze offenbarte. (Die dort gewonnene Erkenntnis könnte und kann jederzeit eingesetzt werden um normale Menschen böse zu machen – Wir suchen hier genau das Gegenteil)
Ein komplettes, funktionierendes Best-Case-Szenario gibt es bisher nicht, allenfalls Bruchstücke davon, gerade deshalb ist dieses Projekt so dringend nötig!

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Es geht nicht um „Die Wahrheit“. Es geht (im Sinne der Polykontexturallogik) darum welche Wahrheit die beste und passendste ist und dies kann nur die Praxis beweisen.
Das geht allerdings nur, wenn wir in praktischen Projekten andere mögliche Wahrheiten und Sichtweisen zulassen, diese aufbauen und testen, erst dann können wir wirklich vergleichen.

Kritik an unserer Gesellschaft ist die eine Seite. Die andere Seite: „Was kann man tun um konkret zu verbessern“ ist jedoch die einzige die letztlich zählt!

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Zu Teil 4 - Weitere Aspekte =>

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